Was ist das / Wie funktioniert es
Das Solarrohr überbrückt die Distanz zwischen den heißen Sonnenkollektoren auf dem Hausdach und dem Solarspeicher im Haustechnikraum. Da im Solarkreislauf Temperaturspitzen von typischerweise etwa über 130 °C auftreten können, werden spezielle Installationsrohre verwendet.
Moderne Solarleitungen werden meist als vorisoliertes Doppelrohr (Twin-Rohr) ausgeführt:
- Mediumführende Rohre: Zwei parallele Stränge (Vor- und Rücklauf) aus flexiblem, korrosionsfestem Edelstahl-Wellrohr (Werkstoff 1.4404) oder nahtlosem Kupferrohr. Das Wellrohr lässt sich von Hand in engen Radien biegen, ohne zu knicken.
- Hochtemperatur-Dämmung: Eine Isolierung aus geschlossenzelligem EPDM-Synthesekautschuk oder Aerogel, die dauerhaften Betriebstemperaturen von typischerweise etwa bis zu 150 °C (kurzzeitig bis etwa 175 °C) standhält.
- Integrierte Fühlerleitung: Ein hitzebeständiges, zweiadriges Silikonkabel ist bereits fest im Isolierschlauch integriert, um den Kollektortemperaturfühler direkt mit dem Solarregler im Keller zu verbinden.
- Robuste Schutzhülle: Eine reißfeste Außenfolie schützt die Dämmung im Außenbereich vor UV-Strahlung, Regen und Vogel- oder Marderbiss.
Wann ist es sinnvoll
Vorisolierte Solarrohre sind der Standard bei jeder fachgerechten Solarthermie-Montage:
- Abgrenzung zu normalen Heizungsrohren: Herkömmliche Heizungsrohrdämmungen aus Polyethylen (PE) schmelzen oder schrumpfen bereits bei Temperaturen von typischerweise etwa über 90 bis 100 °C.
- Abgrenzung zu starren Kupferrohren: Starres Kupfer muss aufwendig gebogen, gelötet oder verpresst werden, und das nachträgliche Aufschieben von Dämmschläuchen in engen Schächten ist mühsam. Flexibles Edelstahl-Wellrohr kann in einem Stück von der Dachdurchführung bis in den Keller durch Kamin- oder Installationsschächte gezogen werden.
- Zeitersparnis: Da Vorlauf, Rücklauf, Isolierung und Sensorleitung in einem Arbeitsgang verlegt werden, halbiert sich die Montagezeit auf der Baustelle.
Worauf achten
Bei Planung und Verlegung müssen strömungstechnische Eigenschaften beachtet werden:
- Druckverlust von Wellrohren: Durch die gewellte Innenwandung weist ein Edelstahl-Wellrohr einen spürbar höheren Reibungswiderstand auf als ein glattes Rohr. Bei längeren Leitungswegen (über 15 bis 20 Meter) muss die Nennweite typischerweise von DN 16 auf DN 20 oder DN 25 vergrößert werden, damit die Solarpumpe den erforderlichen Volumenstrom energieeffizient bewältigt.
- Fachgerechte Dachdurchführung: Die Leitungsdurchführung durch die Dachhaut muss mit einer zugelassenen Solar-Dachdurchgangspfanne regendicht und sturmsicher abgedichtet werden.
- Schnellverschraubungen nutzen: Für Edelstahl-Wellrohre gibt es spezielle flachdichtende Schraubfittings mit Klemmring, die ohne Sonderwerkzeug montiert werden können.
Häufige Fragen
Warum darf für Solarthermie keine normale Schaumstoffdämmung verwendet werden?
Einfache Dämmungen für Heizungs- und Sanitärrohre sind meist nur bis typischerweise etwa maximal 95 °C temperaturbeständig. Bei sommerlicher Stagnation treten im Solarkreis jedoch Temperaturen von rund 150 °C und mehr auf, wodurch Standard-Dämmungen verspröden oder schmelzen.
Welchen Vorteil bietet flexibles Edelstahl-Wellrohr gegenüber Kupfer?
Edelstahl-Wellrohr lässt sich wie ein Kabel von der Rolle durch enge Leitungsschächte oder stillgelegte Kaminzüge ziehen. Es sind auf der gesamten Stecke zwischen Dach und Keller keine Löt- oder Pressverbindungen nötig, was Leckagerisiken minimiert.
Warum ist das Sensorkabel bereits im Doppelrohr integriert?
Damit der Temperaturfühler oben am Kollektor zuverlässig mit der Solarstation im Keller verbunden werden kann, ohne dass ein separates, wetterfestes Elektrokabel aufwendig parallel verlegt werden muss.
Was bedeutet die Angabe DN 16 oder DN 20?
DN steht für „Diameter Nominal“ (Nennweite in Millimetern). DN 16 entspricht einem Innendurchmesser von etwa 16 Millimetern und reicht für kleinere Kollektorfelder bis typischerweise etwa 6 m² Fläche völlig aus. Für größere Anlagen wird DN 20 oder DN 25 gewählt.