Was ist das / Wie funktioniert es
Brennwert-Abgassysteme sind speziell für die veränderten thermodynamischen Bedingungen moderner Gas- und Öl-Brennwertgeräte konstruiert. Weil Brennwertkessel dem Abgas die Kondensationswärme entziehen, sinkt die Abgastemperatur auf typischerweise etwa 30 °C bis 50 °C.
Bei diesen niedrigen Temperaturen reicht der thermische Naturzug des Kamins nicht mehr aus. Das Abgas wird daher mit einem geräteinternen Ventilator mit leichtem Überdruck abgeführt. Das Abgassystem besteht meist aus hochtemperaturbeständigem Polypropylen (PPs) oder hochwertigem Edelstahl. Es wird entweder als einwandige Abgasleitung in einen bestehenden Kaminschacht eingezogen oder als konzentrisches Doppelrohr (Luft-Abgas-System, LAS) ausgeführt.
Über das konzentrische LAS-System saugt die Heizanlage gleichzeitig die frische Verbrennungsluft über den Ringspalt von außen an, während das Innenrohr die feuchten Abgase nach oben leitet.
Wann ist es sinnvoll
Der Einbau eines Brennwert-Abgassystems ist bei jeder Umstellung auf moderne Brennwerttechnik vorgeschrieben:
- Abgrenzung zu alten Schornsteinen für Heizwerttechnik: Konventionelle gemauerte Kamine sind weder feuchteunempfindlich noch überdruckdicht. Würde feuchtes Brennwertabgas ohne Innenrohr eingeleitet, würde der Schornstein binnen kurzer Zeit versotten und feuchte Flecken im Wohnbereich verursachen.
- Raumluftunabhängiger Betrieb: Durch das konzentrische Rohr-in-Rohr-Prinzip arbeitet der Heizkessel unabhängig von der Raumluft des Aufstellraums, was den Betrieb in gedämmten Neubauten und bewohnten Kellern ermöglicht.
- Sanierung im Bestand: Das flexible oder starre Kunststoffrohr lässt sich meist unkompliziert in vorhandene, stillgelegte Kaminzüge einziehen.
Worauf achten
Bei der Installation sind brandschutztechnische und hydraulische Vorgaben maßgeblich:
- Gefälle für Kondensatrücklauf: Die Abgasleitung muss mit einem durchgehenden Steigungswinkel von typischerweise etwa 3 Grad (rund 5 Zentimeter pro Meter) zum Kessel verlegt werden, damit anfallendes Kondensat ungehindert in die Auffangwanne des Kessels zurückfließt.
- Zulassung der Abgasleitung: Das Rohrsystem muss nach DIN EN 14471 für die entsprechende Temperaturklasse (typischerweise etwa T120) und Druckklasse (P1 für Überdruck) zugelassen sein.
- Abnahme durch den Schornsteinfeger: Jede neu installierte Abgasanlage bedarf vor der dauerhaften Inbetriebnahme der baurechtlichen Abnahme durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Stand: September 2026.
Häufige Fragen
Warum darf Brennwert-Abgas nicht in einen normalen Kamin geleitet werden?
Weil das Abgas kühl und feucht ist. Im kalten Kaminzug kondensiert der Wasserdampf zu saurem Wasser, das in den porösen Mauerstein einzieht und zu Versottung führt.
Was bedeutet LAS bei einer Abgasleitung?
LAS steht für Luft-Abgas-System. In einem doppelwandigen Rohr führt das innere Rohr die Abgase nach draußen, während der äußere Ringspalt frische Verbrennungsluft von oben zum Kessel leitet.
Welche Materialien werden für Brennwert-Abgasrohre verwendet?
Standardmäßig wird schwer entflammbares Polypropylen (PPs) eingesetzt. Bei Öl-Brennwert oder höheren Abgastemperaturen kommen auch säurebeständige Edelstahlrohre oder PTFE-Systeme zum Einsatz.
Wie groß muss der Durchmesser des Abgasrohrs sein?
Für Einfamilienhäuser mit Nennleistungen bis typischerweise etwa 25 kW genügen meist Nennweiten von DN 60 oder DN 80 für das Abgasrohr.